Gender Studies
George Michael, Freddy Mercury, Elton John, Ian McKellen, etc. Die Liste homosexueller Männer in der Medienbranche ist lang, doch noch immer stellt es für die breite Öffentlichkeit einen mittleren Skandal dar, sollte sich ein weiterer Prominenter als schwul outen. Auch wenn sich die Situation für Homosexuelle allgemein verbessert hat ist die Homophobie noch immer allgegenwärtig spürbar.
Der Gebrauch des Wortes “Schwul” als Schimpfwort ist auch in Deutschland nicht ungewöhnlich (siehe Bushido), ähnlich offensive Statements wie 50 Cents Anfeindungen gab es seitens der Protagonisten jedoch noch nicht. Dennoch ist/war auch deutscher Rap alles andere als gefeit gegen homophobische Ausbrüche, was sich allein in G-Hots “Keine Toleranz” zeigt.
Und leider Gottes schien auch die amerikanische Rapszene in Sachen Toleranz keine nennenswerten Fortschritte zu machen. Auf der anderen Seite des großen Wassers bleibt es nicht etwa bei Lappalien wie einer öffentlichen Rechtfertigung Eminems für den Gebrauch von “Faggot” als allgemein anwendbares universalschimpfwort. Es geht um offene Anfeindungen wie 50 Cents moralisch wertvolle Erkenntnisse, die er per Twitter seinen knapp 7 Millionen Followern mitteilt: “If you a man and your over 25 and you don’t eat pu**y just kill yourself damn it. The world will be a better place. Lol”.
Doch plötzlich ist es 2012 und während Kanye West sich schon seit Jahren gegen Homophobie ausspricht, scheint jetzt auch der Rest des Rap-Adels Amerikas eine 180 Grad-Wende vorzunehmen. Lil B rappt “I’m a fag I’m a lesbian“,Jay-Z spricht sich öffentlich für die Schwulenehe aus und sogar Fiddy stimmt gezwungenermaßen zu. Odd Future haben sich als Crew etabliert und von Anfang an kein Geheimnis um die Homosexualität der Produzentin Syd tha Kyd gemacht. Allein das sorgte bereits für einiges an Tumult, doch vor wenigen Wochen ließ Frank Ocean aus dem Odd Future-Camp endgültig die Bombe platzen. Der gefragte Sänger, Rapper und Songwriter (u.a. Beyoncé, Justin Bieber, John Legend etc.) veröffentlichte einen denkwürdigen Tumblr-Post. Zu sehen ist auf dem Bild ein schlichtes Textdokument, das Ocean auf seinem Macbook verfasst hat. In diesem erzählt er mit der ihm eigenen lyrischen Sprache die Geschichte von dem Erlebnis, das ihn bis heute verfolgt. Er erzählt die Geschichte seiner ersten großen Liebe - die er bei einem Mann fand.
Der Aufschrei nach diesem Statement war enorm. Postwendend nach der Veröffentlichung des Tumblr-Posts solidarisierten sich Jay-Z, Beyoncé und OF-Häuptling Tyler, The Creator mit dem Sänger. Dieser nennt Ocean sogar seinen großen Bruder und betont, wie stolz er auf ihn ist. Natürlich gab es auch massive Hassreaktionen, diese ließen sich jedoch hauptsächlich im Rahmen von Youtube-Gesprächen beobachten. Grundsätzlich lässt sich erkennen: die Prominenz der Musikindustrie und der größte Teil der restlichen Öffentlichkeit steht hinter Frank Ocean. Und während dieser sich als der Erste der Szene outet, scheint die ganze Kultur an ihm zu wachsen.
In Reaktion auf die jüngsten Ereignisse textete Macklemore vor kurzem folgerichtig: “If I was gay, I would think HipHop hates me”. Und noch mag er damit recht haben. Doch wenn sich der Tumult um Frank Ocean gelegt hat, wird der nächste Aufschrei nicht weit entfernt sein. Und auch wenn eine Vorurteilsfreie HipHop-Kultur utopisch erscheint, wird man in den kommenden Jahren noch mit einigen Coming-Outs aus der Rapindustrie rechnen können. Ein kleiner Schritt für Frank…